Monatsbetrachtung Februar

Sonnenschein oder Sorgenkind?

Seit vielen Millionen Jahren überstehen Honigbienen europäische Winter. Ihr Zustand im Februar gibt Aufschluss über die Qualität ihres Imkers.

Imkers’ Sonnenschein

Gut eingewinterten Bienenvölkern schaden weder wochenlanger bitterer Frost noch sommerliche Adventtemperaturen. Mit ausreichend geeignetem Futter versorgt, gesund (= arm an Varroamilben) und im Oktober mindestens 5000 Bienen stark, beschränken sich die imkerlich ratsamen Arbeiten im Februar an solchen Völkern auf kurze Kontrollen der Volksstärke und des Futterstandes. Die Wintertraube ausreichend starker Völker erstreckt sich zu dieser Jahreszeit bei Temperaturen um den Gefrierpunkt noch mindestens über 4 Wabengassen. Gezählt werden alle bienenbesetzten Gassen abzüglich der beiden äußersten, in denen wenig Betrieb herrscht. Einen Blick von oben durch die Folie (Abb.1) oder von unten durch den offenen Gitterboden kostet nur wenige Sekunden.

Abb.1: Ob von oben durch die Folie oder auf der Stockwindel – Stärke und Sitz der Völker lassen sich schnell und zuverlässig beurteilen.


Bienen, die von oben nicht zu sehen sind, können im Gitterboden eine ansehnliche Traube bilden. Bei zweizargigen Völkern spähe ich kurz zwischen die beiden Zargen. Dies ist auch bei strengem Frost schadlos möglich. Tipp: Neugierige schieben nach Reinigung des Bodens für 3 Wochen eine Windel ein. Ohne das Volk öffnen zu müssen, erhalten sie so Informationen über Stärke und Sitz (Abb.1), sowie den Zustand des Volkes (Abb.2, 3).

 

Keine Chance für Magenknurren

Starke und varroaarme Völker sind die beste Gewähr für eine sichere Überwinterung. Doch sie zehren auch das meiste Futter. Bereits ab Weihnachten legen individuenreiche Völker mit spürbarem Wärmeaufwand Brut für die kommende Saison an, im Februar schlüpfen in ihnen schon einige Hundert Jungbienen täglich. Wer brütet, „verheizt“ im Februar 2 kg, im März und April je 4 kg Futter. Ist noch bis in den April bienenwidriges Wetter vorausgesagt, kann

besonders in einzargig überwinterten Völkern schnell Schmalhans Küchenmeister werden. Ich füttere im Herbst so reichlich (Angaben folgen in den Monatshinweisen Aug./Sept.), dass jedes Volk Anfang Februar noch mindestens über 10 kg Vorrat verfügt. So endet der winterliche Kontroll-Spaziergang Anfang Februar in fast allen Fällen mit der Analyse „alles im grünen Bereich“. Zeigt her Eure Waben Den aktuellen Futtervorrat erfassen erfahrene Bienenhalter durch einfaches Anheben der Beuten von hinten (Abb.4).

 

Abb.4: Mit etwas Erfahrung verrät das Gewicht eines Volkes den Futtervorrat (vorher Beschwerungsstein vom Deckel nehmen).

Wem das „Leergewicht“ seiner Völker (noch) nicht vertraut ist, der ermittelt bei kalten Außentemperaturen den jeweils leichtesten Ein- und Zweizarger. Nur diesen öffnen und von oben in die Wabengassen blicken. Ist unter mehreren Rähmchenoberträgern noch verdeckeltes Futter zu sehen, so droht für dieses und alle schwereren Völker der Hungertod nicht unmittelbar. Im Stockdunklen verborgen bleibt bei dieser Vorgehensweise jedoch der tatsächliche Futterbestand. Diese Sichtkontrollen müssen daher bis zum Ein setzen der ersten größeren Nektartracht (Kirschblüte) in einwöchigem Abstand wiederholt werden … auf Dauer eine sehr zeitintensive Methode. Nur auf den ersten Blick deutlich aufwändiger ist die „Schätzmethode“. Sie liefert exakte Informationen zum aktuell in den Völkern vorhandenen Futtervorrat und eicht jeden Bienenhalter schnell und einfach auf das Gewicht seine Beuten ein. Und so wird’s gemacht:
1. Nutzen Sie einen Tag mit Flugwetter (mindestens 10°C Außentemperatur). Ermitteln Sie unter Ihren Ein- und Zweizargern das jeweils leichteste durch Anheben von hinten. Öffnen Sie es und ziehen Sie ausgehend von den nicht bienenbesetzten Randwaben nacheinander alle Waben.

2. Unterteilen Sie jede Wabenseite gedanklich in Achtel und stellen Sie fest, wie viele Achtel mit verdeckeltem Futter belegt sind. Ein leeres Rähmchen mit 4 Gummis bespannt dient als Orientierungshilfe (Abb.5). Jedes Zandermaß-Achtel enthält 125g Futter, jedes DN-Achtel 100g. Die Abbildung zeigt gut 4 futtergefüllte Einheiten, diese Wabenseite enthält also etwa 500g (4x125g) Futter.

Abb.5: Mit einem Schätz-Rähmchen bewaffnet lässt sich der Futtervorrat eines Volkes exakt ermitteln, etwa 4 Einheiten sind hier mit Futterzellen gefüllt. Diese Wabenseite enthält also mindestens 1 Pfund Futter. (Foto von Jörg Sterling)
Abb.6: Eine Federzugwaage hilft beim Einschätzen des Futtervorrates. (Foto von Markus Bollen)

3. Schließen Sie das Volk, addieren Sie alle Futterachtel und errechnen Sie die Gesamtfuttermenge. Heben Sie das Volk nun nochmals an (oder nutzen Sie dazu eine Federzugwaage, Abb.6) – JETZT wissen Sie genau, wie schwer sich Volk und vorhandenes Futter in Ihrer Beute anfühlen!

Strafarbeit für „schwäbische Imker“

Bienenreiche Völker, die im Februar weniger als 80 „Futter-Achtel“ im Zandermaß bzw. 100 im DN-Maß (= 5 bzw. 6 volle Futterwaben) enthalten, muss der knausrige Imker im Auge behalten. Brisant wird es, wenn bei Kälte nur noch 1 oder 2 kg Futter verbleiben. Dann muss notgefüttert werden. Der Wabentausch mit besonders schweren Völkern ist die einfachste Lösung. Wer jedoch alle Völker „schwäbisch“ eingefüttert hat ist jetzt zu Mehrarbeit gezwungen: zwei gezogene Waben verschaffen einem Tetrapack mit Schwimmhilfe (hier Korken und Zweige) direkt neben der Bienentraube Platz (Abb.7). Wer darin eigenen Honig verfüttert, entgeht der Gefahr, seinen Frühjahrshonig mit Zuckerwasser zu verfälschen. Diese Notfütterung sollte vor allem EINE Wirkung auf den Imker haben: nie wieder! Das gilt auch für andere Fehler, die bei der Spät sommerpflege gemacht werden und dann winterliche Sorgenkinder produzieren. 

Abb.7: Notfütterung von Zuckerwasser oder eigenem (!) Honig im Tetrapack mit Schwimmhilfe. Damit die Bienen sich bedienen können ohne auf dem Weg ins Gefäß zu verklammen, muss das Futter direkt am Wintersitz angeboten werden.
Abb.8: Zwei schwache Völker werden durch Übereinandersetzen vor dem Erfrierungstod gerettet.
Abb.9: Wer Bienenproben aus toten Völkern auswäscht, erkennt ob Varroa die Todesursache war.

 

Sorgenkinder…

Wackelkandidaten für eine sichere Überwinterung sitzen im Februar auf 3 oder weniger Wabengassen. Wer keine Deckel heben oder Kästen wie oben beschrieben ankippen möchte, erkennt sie bei Flugwetter (>10ºC, sonnig) auch am Flugbetrieb: ohne vorherige Störung (kein Rauch, kein Verstellen der Flugschneise) zählt man die Anzahl der in einer Minute heimkehrenden Bienen. Je reger der Flugbetrieb desto stärker das Volk, bis zur Hälfte aller erwachsenen Bienen können unterwegs sein. Nur dort, wo jede Sekunde eine Biene heimkehrt, sind etwa 2000 Bienen unterwegs, das Volk ist dann insgesamt mit mindestens 4000 Bienen stark genug. Hektisches Treiben am Flugloch ohne Pollenträgerinnen lässt den aufmerksamen Imker stutzen. Es deutet auf Räuberei am toten oder schwachen Volk hin. Solche Völker habe ich bei der vorangegangenen Spätsommerpflege offen bar falsch beurteilt. Besetzt ein Volk im Februar nur noch 1 bis 3 Wabengassen, so schütze ich es durch Einengung des Flugloches vor räuberischen Überfällen. Die Beute wird dazu über dem Gitterboden leicht angekippt (nur problemlos möglich ohne Falz!) und zwei Schaumstoffstreifen hinter das Mäusegitter geschoben, es entsteht ein Flugloch von 3 cm Größe in der Nähe des Bienensitzes. Solch schwache Völker überleben allerdings oft den nächsten Kälteeinbruch nicht. Wer dem Dahinsiechen nicht tatenlos zusehen will, plaziert zwei schwache, aber gesunde (wenig Varroa, weiselrichtig) Völker einfach übereinander (Abb.8, Zeitungspapier ist nicht nötig!). Die Bienen entscheiden sich für eine Königin. Mehr tue ich im Februar auch bei schwachen Völkern nicht.

…und Todgeweihte

Auch in 2009 kam wiederum bereits VOR der Silvester-Party bei etlichen Imkern der große Katzenjammer. Ein prüfender Blick in die Beuten fiel allzu oft nur noch auf ein Häuflein Elend. Vor Einsetzen starken Flugbetriebes und möglicher Räuberei sollten diese inzwischen verstorbenen Völker abgeräumt werden. Das schützt sowohl den Frühjahrshonig als auch die Überlebenden vor unnötiger Belastung mit Krankheitserregern. Das gesamte Wabenwerk wird eingeschmolzen, die Rähmchen mit Natronlauge in der Spülmaschine gereinigt (Monatshinweis März). Kotfreie helle Futterwaben bewahre ich mäusesicher auf. Kann ein Befall mit Amerikanischer Faulbrut ausgeschlossen werden, stellen diese Waben keine Gefahr für meine Ableger dar. 

 

Aus Fehlern lernen

Ebenso wichtig wie die Beseitigung der „Leichen“ ist die Aufklärung der Todesursache. Denn DAS soll mir nicht noch mal passieren! Aufschluss geben die Anzahl der toten Bienen im Stock und ihr Varroa-Befallsgrad:  Alle Bienen in einem Eimer sammeln und dann mit einem 500g-Honigglas ihre Zahl bestimmen. Ein volles Glas fasst 1000 Bienen.  Ein halbes Glas Bienen etwa zur Hälfte mit Wasser füllen, einen Spritzer Spülmittel dazu, Deckel drauf, 2 Minuten kräftig schütteln, Glasinhalt in ein Honig-Doppelsieb schütten und mit dem scharfen Strahl einer Handbrause kräftig duschen (Abb.9). Die Bienen bleiben im groben Sieb hängen, die Milben aus dem Feinsieb auf ein weißes Tuch schlagen und auszählen. Verlieren diese 500 Bienen mehr als 50 Milben, waren es im Volk zu viele! 

Der klassische Hungertod

Verhungerte Völker waren meist bis kurz vor ihrem Tod recht stark. In den einzelnen Zellen, den Wabengassen und im Unterboden liegen bis zu 20000 (20 Honiggläser voll) Bienen. Die Waben sind ratzekahl. Auch wenn dieses Bild für die Diagnose “knausriger Imker“ ausreicht, sollte eine Bienenprobe zusätzlich auf Varroabefall untersucht werden. 

Der klassische Varroa-Tod

Völker, die an übermäßigem Varroa-Befall und dessen Folgen eingehen, haben im Endstadium nur noch wenige Bienen. Zuvor können sie während der Spätsommerpflege noch einen guten Eindruck machen und das Futter zügig abnehmen. Im Oktober und November ist dann starker Bienenabgang zu beklagen. Die mit Milben und den durch sie übertragenen Viren  aufgewachsenen Jungbienen sind nicht als Winterbienen geeignet und verschwinden spurlos solange Flugbetrieb herrscht. Wespen plündern die dahin siechenden Völker und vermitteln so den falschen (aber bei manchem „Imker“ beliebten) Eindruck sie würden deren Tod herbeiführen. Typischerweise „erwischt“ Varroa gerade die stärksten Völker zuerst. Kein Wunder, denn wer stark ist, brütet viel und erzeugt damit auch viele Milben. Schlampt der Imker dann bei der spätsommerlichen Varroa-Bekämpfung, erntet er spätestens jetzt nur noch ein Häuflein totes Elend, verkrüppelte Bienen und vergammelte Brut (Abb.10, 11). 

Abb.10: Der typische Varroa-Tod: ein jämmerliches Häuflein toter Bienen mit Königin und nicht geschlüpfte Brutzellen.
Abb.11: Wer die Restbrut öffnet und auf ein Blatt Papier ausschlägt, findet fast sicher die häufigste Todesursache für europäische Bienenvölker: Varroamilben.

Die wenigsten Todesfälle bleiben nach dieser Analyse ungeklärt. Beruhigend, denn meist sind weder mysteriöse neue Krankheitserreger, noch vom Imker nicht beeinflussbare Faktoren wie „Stress“, Monokulturen, Pflanzenschutz, Grüne Gentechnik oder Handystrahlung für eine Erklärung nötig. Aber auch beklemmend, denn die meisten Völkerverluste hätten wir Imker verhindern können! 

 

Checkliste – DAS können Sie sich im Februar schenken!

  •  Am Bienenstand vor den Fluglöchern Schnee räumen, Fluglöcher oder Böden im Winter reinigen. Mit Mäusegitter und über offenem Gitterboden sitzen Bienen immer luftig genug.
  •  Bienensitz korrigieren. Haben sich gute Völker in eine Ecke manövriert, finden sie selbst den „Rückwärtsgang“.
  •  Schwache Völker sanieren. Erst im März.
  •  „Reizen“ in jeder Form. Ob Waben umhängen oder Zargen drehen, Futter aufreißen oder Pollenersatz füttern, Bienen richten sich unbeirrbar nur nach ihrem eigenen Frühjahrs-Fahrplan.
  •  Deckelfuttergeschirr zur Notfütterung. Teuer und unnütz.
  •  Folie bei Brutbeginn entnehmen. Kondenswasser bildet sich auch ohne Folie, Sie sehen es dann nur nicht so leicht.
  •  Sorgen um neuartige Krankheiten. Bisher unbegründet.
  •  Unbesetzte dunkle oder schimmelige Waben heraussuchen und entnehmen. Wabenhygiene ist Spätsommerarbeit! Und Schimmel entsteht bei dauerhaft
  • offenem Gitterboden nie (Abb.12)!
  •  Auflageschienen säubern oder Beuten und Falz ausbessern oder streichen (Abb.12). Richtig ausgerüstet überflüssig.
  •  Wachsmottenbekämpfung im Wabenlager. Unnötig für alle, die nur unbebrütete, leere Waben lagern.
  •  Eine künstliche Tränke einrichten

 

 

Abb.12: Schimmel entfernen oder Auflageschienen reinigen? Mit offenem Gitterboden und glatter Rähmchenauflage sind das für mich unbekannte „Probleme“!